Mareile Knees/Dissertation

Aus Textlinguistik

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Dr. Mareile Hillevi Knees: Zur Semantik und Referenz des temporalanaphorischen Pronominaladverbs danach

Dissertationsprojekt (Friedrich-Schiller-Universität Jena)


Das Pronominaladverb danach stellt basierend auf seinem anaphorischen Element einen relationalen Zusammenhang zwischen zwei im Text erwähnten Referenten (konzeptuellen Einheiten) her. Dabei verweist sein anaphorisches Element (da-) auf einen Referenten, der zuvor im Text durch einen Antezedenten (eine textuelle Einheit) beschrieben wurde, und sein relationales Element (-nach) verknüpft den vorerwähnten Referenten zeitlich mit dem Referenten des Satzes, in den danach syntaktisch integriert ist (im Folgenden Kotextsatz).

(1) Wir schauten Top Gun, diesen Tom-Cruise-Film über amerikanische Kampfpiloten. Danach flogen meine Freunde mit ihren hölzernen Segelgleitern steile Kurven, sie wollten sein wie Tom Cruise. (ZEIT Campus, 05/2007)

Ziel der Arbeit ist es, möglichst viele verschiedene Formen temporalanaphorischer danach-Bezüge zu untersuchen, um den anaphorischen Auflösungsprozess von danach in seiner Vielschichtigkeit im Rahmen kognitiver Textverstehensmodelle zu erfassen. Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel: Im ersten Kapitel wird vor dem Hintergrund aktueller Ansätze der theoretischen Linguistik die anaphorische und temporale Dimension von danach beschrieben. Im zweiten Kapitel wird das methodische Vorgehen der Arbeit vorgestellt. Anspruch der Arbeit ist es, die anaphorische Auflösung von danach möglichst detailliert zu untersuchen und theoretische Ansätze und Annahmen zum anaphorischen Auflösungsprozess empirisch zu überprüfen und zu fundieren. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Gesichtspunkt, dass in natürlichsprachlichen Daten unterschiedliche Formen von Ambiguität auftreten. Mittels einer Vorstudie wird gezeigt, dass bei der anaphorischen Auflösung von danach zwischen textueller und referenzieller Ebene unterschieden werden muss und dass die verschiedenen Ambiguitätstypen entweder das Verhältnis zwischen Antezedent und Anapher oder zwischen Anapher und Referent betreffen. Basierend auf der Annahme verschiedener textueller und referenzieller Interpretationsebenen wird im vierten Kapitel eine qualitative Analyse präsentiert, die untersucht, welche textuellen Auflösungsfaktoren die Bestimmung eines adäquaten Antezedenten beeinflussen und welche referenziellen Faktoren die Suche nach einem geeigneten Referenten bestimmen. Im fünften Kapitel werden die im vierten Kapitel formulierten diskursstrukturellen, syntaktischen, semantischen und konzeptuellen Beschränkungen zur anaphorischen Auflösung von danach mit Hilfe einer Korpusstudie überprüft. Des Weiteren werden im Rahmen einer quantitativen Auswertung von Korpusdaten Tendenzen in den Auflösungsmerkmalen erfasst und entsprechend ihrer Intensität gewichtet. Im sechsten Kapitel wird geprüft, ob die Tendenzen Präferenzen der Rezipienten bei der Interpretation von danach widerspiegeln und ob ein Zusammenhang zwischen den Tendenzen und der Ambiguitätsintensität der Korpusdaten besteht. Insgesamt verfolgen die Korpusanalysen das Ziel, mittels unterschiedlicher quantitativer und qualitativer Verfahren unterschiedliche Auflösungsfaktoren in Bezug auf ihre Relevanz im anaphorischen Auflösungsprozess zu überprüfen und zu gewichten. Im siebten Kapitel werden zwei Modelle zur Interpretation von danach vorgestellt: das Fünf-Ebenen-Modell und das Wettbewerbsmodell. Im Fünf-Ebenen-Modell wird die Interpretation anaphorischer danach-Bezüge als ein auf unterschiedlichen Interpretationsebenen operierender Prozess repräsentiert und als Wechselspiel sprachlicher und konzeptueller Informationen verstanden. Im Rahmen des Wettbewerbsmodells wird die anaphorische Auflösung von danach als Interaktion konkurrierender textueller und konzeptueller Auflösungsfaktoren und -regeln dargestellt. Dabei werden die Ergebnisse der Korpusanalysen berücksichtigt, so dass sich ein differenziertes und vollständiges Bild zur Interpretation relationaler Anaphern wie danach ergibt. Das achte Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen.

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